Sunniten

Der überraschende Tod des Propheten Muhammed führte prompt zu einer Spaltung des jungen Islams: die zwei daraus entstandenen Strömungen, die Sunniten und die Schiiten, konkurrieren bis heute um nicht weniger als um politischen Einfluss, weltliche und geistig Macht sowie um theologische Wahrheiten.

Der islamische Erbfolgestreit

Bis heute streiten sich Sunniten und Schiiten über die rechtmäßige Nachfolge des Propheten Muhammed.

Bis heute streiten sich Sunniten und Schiiten über die rechtmäßige Nachfolge des Propheten Muhammed.

Als Muhammed im Jahr 632 n.Chr. starb, hinterließ er keine Anweisung dafür, wie sein Nachlass zu regeln sei – eine folgenschwere Tatsache. Denn die Einheit seiner Anhänger blieb darauf hin nicht lange bestehen, sondern zerbrach an der Frage nach dem legitimen Nachfolger. Einige dieser Anhänger forderten, der Neffe und Schwiegersohn Muhammeds, Ali, müsse das Erbe des Religionsgründers antreten. Denn nur ein direkter Verwandter könne mit derjenigen göttlichen Kraft gesegnet sein, der das Religionsoberhaupt bedürfe.

Die Mehrheit der damaligen Muslime war allerdings der Ansicht, der Nachfolger solle aus dem Stamm Muhammeds unter den geeigneten Kandidaten ausgewählt werden. Tatsächlich wurde Muhammeds enger Freund Abu Bakr zum ersten Kalifen erkoren. Erst als vierter Kalif wurde 656 schließlich doch noch Ali gewählt.

Dessen Gefährten, die ‘Shi’at Ali’ (Partei des Ali), betrachteten die ersten drei Kalifen als unrechtmäßig. Die Anhänger dieser – ihrer Ansicht nach – illegitimen Führer bezichtigten sie der Fälschung des Korans. Schwere Vorwürfe, deren Nachwirkungen bis heute eine Rolle spielen.

Unterschiedliche Ansichten vertiefen Spaltung

Alis Anhänger wurden später Schiiten genannt, die andere Fraktion Sunniten. Dieser Begriff leitet sich ab vom arabischen Wort Sunna, was soviel wie Überlieferung oder Handlungsweise bedeutet.

Die beiden Schulen entwickelten sich in der Folgezeit immer weiter auseinander. Die Sunniten wählten Kalifen als Anführer der muslimischen Gemeinschaft, bei den Schiiten wurde ein Imam, der als unfehlbar und frei von allen Verfehlungen gilt, spirituelles Oberhaupt. Die Rechtsauslegungen unterscheiden sich und unterschiedliche gesellschaftliche Konventionen werden gepflegt. So wird die Ehe auf Zeit von Sunniten mehrheitlich abgelehnt.

Sunniten und Schiiten heute

Die Sunniten stellen heute mit rund 90% die überwiegende Mehrheit der islamischen Gläubigen dar. In einigen Ländern wie dem Iran mit mehr als 90% oder dem Irak (60%) stellen allerdings Schiiten einen Großteil der Bevölkerung.

Auch heute noch sind Sunniten und Schiiten zerstritten, die Angst vor einer angestrebten schiitischen Vormacht treibt sunnitsche Regierungen um, allen voran die von Saudi Arabien.

Das syrische Regime, das ein enger Verbündeter des schiitischen Irans ist, wird von dort unterstützt, während nicht von ungefähr die syrischen Rebellen ihre Waffenlieferungen zu einem guten Teil von den Saudis erhalten. Der aktuelle Syrienkonflikt ist also auch eine Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten.

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