Was ist eigentlich ein Kalifat?

Um die Frage klären zu können, was ein Kalifat ist muss man tief in die Geschichte des Islam eintauchen. Worum es sich beim Kalifen und dem Kalifat handelt und seit wann Kalifate existieren stellt nun dieser Artikel vor.

Was ist ein Kalifat?

Nach dem Tod des islamischen Propheten Mohammed, waren die Muslime ohne Führer, da er keine männlichen Nachkommen hinterlassen hatte. Geistige Vertreter des Islams trafen in der Folge zusammen, um darüber zu beraten, welche Eigenschaften der Nachfolger des Propheten, der selbst keine Vorkehrungen für seine Nachfolge getroffen hatte, haben sollte. Die Beratungen führten zu der Festlegung, dass der Nachfolger des geistigen Führers ein Araber sein sollte, der aus dem Quraish-Stamm, dem Stamme Mohammeds, kommen musste. Zu seinen Aufgaben gehörte nicht nur die Einhaltung der Regeln des Islams, sondern auch deren Weiterverbreitung an die Gläubigen. Fortan war das Kalifat eine islamische Form der Regierung, die sowohl geistliche, als auch weltliche Aufgaben in der Person des Kalifen bündelte.

Seit wann gibt es Kalifate?

Der Tod Mohammeds im Jahr 632 hatte zur Folge, dass sich die geistigen Vertreter des Islams über dessen Nachfolge beraten mussten. Mohammeds Lieblingsfrau – denn im Islam war es durchaus üblich, mehrere Frauen zu haben – war Aischa, die Tochter von Abu Bakr. Dieser wurde dann zum ersten Kalifen der islamischen Welt gewählt.

Was ist ein Kalif?

Als letzter Staat gab der Oman 1924 das Kalifat als Staatsform auf.

Als letzter Staat gab der Oman 1924 das Kalifat als Staatsform auf.

Das Wort “Kalif” stammt vom arabischen Verb “chalafa” für “folgen, nachfolgen” ab. Der Kalif ist also sowohl dem Wortsinn, als auch seinen Aufgaben nach der Nachfolger des Propheten Mohammed und somit der Stellvertreter des Gesandten Gottes auf Erden. Der erste Kalif Abu Bakr war zwei Jahre in diesem Amt, bis 634 und wurde dann von Umar ibn al-Chattab, dem “Befehlshaber der Gläubigen” abgelöst. Im Jahr 644, nachdem Umar zehn Jahre lang die Muslime geführt hatte, wurde der dritte Kalif gewählt. Ein Anverwandter Mohammeds, sein Schwiegersohn Uthman ibn Affan, sorgte während seiner Zeit als oberster Moslem für die Fertigstellung der Heiligen Schrift, des Korans. Nachdem er bei der Verteilung von erbeutetem Gut und verschiedener Ämter immer wieder – und fast ausschließlich – Männer seiner Umayyaden-Sippe bevorzugt hatte, waren ihm einige Muslime feindlich gesonnen. Zwölf Jahre nachdem er in das Amt des Kalifen gewählt wurde, ermordeten ihn Aufständische 656 nach Christus. Der vierte der “rechtgeleiteten Kalifen” folgte. Waren die drei ersten Kalifen Sunniten gewesen waren, gehörte der vierte den Schiiten an. Ali ibn Abi Talib, einer der Gegner Uthmans, wurde zum nächsten Kalifen gewählt. Nach dem Ende der vier “rechtgeleiteten Kalifen” wurden mehrere Kalifate hervorgebracht.

1924 wurde das osmanische Kalifat abgeschafft. Alle Versuche, danach einen neuen Kalifatstaat zu formieren, scheiterten. Damit war die 1200-jährige Tradition der Kalifen beendet.

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